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	<title>Bücherwurmloch</title>
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	<description>Das Bücher-Blog mit Rezensionen, Buchkritik und freier Meinung.</description>
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		<title>Bücherwurmloch</title>
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		<title>Kjersti A. Skomsvold: Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 11:14:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lesen! (4/5)]]></category>

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		<description><![CDATA[Und könnte man 100 Jahre leben Mathea Martinsen ist richtig alt – und richtig allein. Seit dem Tod ihres Mannes Epsilon verbringt die Greisin ihre Zeit mit Einkaufen, Backen und Nachdenken. Sie lässt ihr Leben Revue passieren, das nicht sehr aufregend war, da sie es zum Großteil in ihrer Wohnung verbracht hat. Sie konnte keine [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2752&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/05/skomsvold.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/05/skomsvold.jpg?w=225&#038;h=300" alt="Skomsvold" width="225" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-2753" /></a><strong>Und könnte man 100 Jahre leben</strong><br />
Mathea Martinsen ist richtig alt – und richtig allein. Seit dem Tod ihres Mannes Epsilon verbringt die Greisin ihre Zeit mit Einkaufen, Backen und Nachdenken.  Sie lässt ihr Leben Revue passieren, das nicht sehr aufregend war, da sie es zum Großteil in ihrer Wohnung verbracht hat. Sie konnte keine Kinder bekommen und übte keinen Beruf aus, sie hat keine einzige Freundin, und ihre extreme Schüchternheit hat jeden engeren Kontakt zu den Nachbarn verhindert: „Ich war ständig auf der Hut. Wenn mich jemand nach dem Weg fragte, rannte ich, so schnell ich konnte, in die andere Richtung.“ Jetzt, so denkt Mathea, bleibt ihr eigentlich nur noch eins: zu sterben. Also wartet sie auf den Tod, dem sie gleichzeitig aber am liebsten entwischen würde: „Nachts liege ich nicht mehr gern auf dem Rücken, ich fühle mich wie eine Leiche, besonders, wenn ich meine Beine dicht nebeneinanderlege, wie ich es fast immer tue, und die Hände falte. Das Gefühl, in einen Sarg zu passen, ist äußerst unbehaglich, also liege ich jetzt meistens auf dem Bauch, die Knie nach außen gedreht wie ein Frosch, ich habe flexible Hüften.“ Irgendwie geht das mit dem Sterben dann aber doch nicht so leicht, und solange Mathea noch nicht tot ist, erinnert sie sich eben.</p>
<p>Die norwegische Autorin Kjersti A. Skomsvold hat ein schmales Büchlein geschrieben über die Sentimentalität des Abschieds und unser Empfinden, dass das Leben verfliegt wie ein einziger Tag – selbst wenn es 100 Jahre währt. Die Geschichte ist der Erinnerungsmonolog einer alten Frau, aber niemals langweilig oder eintönig, im Gegenteil: Mathea erzählt witzig, erfrischend und mit herrlicher Naivität von kleinen und großen Begebenheiten wie dem Tod des Hundes, der Begegnung mit dem Nachbarsjungen oder dem Kauf von Marmeladegläsern, die sie gar nicht öffnen kann. Nach und nach rekonstruiert Kjersti A. Skomsvold aus all diesen Begebenheiten ein Leben – zumindest in einzelnen Splittern, die ich mit dem Klebstoff der Fantasie zu einem Gesamtbild zusammensetzen kann. Dieses Bild zeugt von Stille und Einsamkeit, einer Einsamkeit, die jedoch selbst auferlegt war und von Mathea nie als unangenehm empfunden wurde. Sie hat nichts, wirklich gar nichts gemacht in ihrem Leben – aber sie war damit zufrieden. </p>
<p><em>Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich</em> ist eines dieser kleinen, feinen, gemütlichen Bücher, die so unaufgeregt daherkommen, die aber auch nichts Großes bewirken. Sehr rührend ist, wie das Zusammenleben zweier alter Menschen beschrieben wird, die ein bisschen schrullig und sehr eng zusammengewachsen waren. Ich fühle mich gut aufgehoben in dieser wunderbaren, melancholischen und auch hoffnungsfrohen Geschichte mit glitzernden Details, aber ich vermisse einen bedeutungsvollen Aha-Moment, einen Dolchstoß, irgendetwas, das mir besonders in Erinnerung bleiben würde. Dennoch ist der Roman mit seiner liebevoll arrangierten Sammlung aus kleinen Anekdoten, skurrilen Gedanken und schmunzeln machenden Ereignissen durchaus lesenswert.</p>
<p><strong>Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt &#8230;<br />
&#8230; fürs Auge:</strong> den Titel finde ich genial, das junge springende Mädchen scheint mir nicht unbedingt so passend.<br />
<strong>&#8230; fürs Hirn:</strong> die Fabelhaftigkeit des Lebens und unsere Pflicht, es auszukosten.<br />
<strong>&#8230; fürs Herz:</strong> das Kind, das es dann nie gab.<br />
<strong>&#8230; fürs Gedächtnis:</strong> die vielen amüsanten Aussagen Matheas, wie zum Beispiel: „Ich gehe in Richtung Kirche hinab und fühle mich dick. Besonders an den Oberschenkeln. Ich habe gehört, dass das eine normale Reaktion ist, wenn man vom anderen Geschlecht abgewiesen wird.“</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2752/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2752/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2752&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Ernste Lesebeziehung oder One-Book-Stand?</title>
		<link>http://buecherwurmloch.wordpress.com/2013/05/08/ernste-lesebeziehung-oder-one-book-stand/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 11:07:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücherwurmloch]]></category>

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		<description><![CDATA[So many writers, so little time Ich habe eine Horrorvorstellung, die geht so: Jedes Jahr im Sommer muss ich an demselben Ort Urlaub machen. Nach 25 Jahren bekomme ich vom Bürgermeister eine Stammgastmedaille. Das würde ich nicht ertragen – ich werde ganz kribbelig beim Gedanken, öfter als einmal an den gleichen Ort reisen zu müssen [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2746&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/05/img_0711.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/05/img_0711.jpg?w=300&#038;h=225" alt="IMG_0711" width="300" height="225" class="alignleft size-medium wp-image-2747" /></a><strong>So many writers, so little time </strong><br />
Ich habe eine Horrorvorstellung, die geht so: Jedes Jahr im Sommer muss ich an demselben Ort Urlaub machen. Nach 25 Jahren bekomme ich vom Bürgermeister eine Stammgastmedaille. Das würde ich nicht ertragen – ich werde ganz kribbelig beim Gedanken, öfter als einmal an den gleichen Ort reisen zu müssen und all die anderen Städte, Strände und Länder nicht sehen zu können. Genau so geht es mir mit Büchern. Sie sind die Reisen, die ich täglich mache, auch wenn ich keinen Urlaub habe – und sie sollen verschieden sein, jede für sich genommen ein einzigartiges Erlebnis, wie unterschiedliche Länder am besten. Allerdings nur in Hinblick auf den Autor und den Inhalt, nicht auf das Genre, da bin ich unflexibel – Chicklit, Vampire-Stories und Thriller kommen nicht in meinen Koffer.</p>
<p>Früher war ich ein Serienjunkie. Mit 17 habe ich die Krimis von Elizabeth George und Andrea Camilleri geliebt, und ich weiß, wie schön es ist, stets aufs Neue zu einer bekannten Buchfigur zurückzukehren. Dann hatte ich meine erste ernste Beziehung mit einem Schriftsteller: John Irving. Viele lange Jahre war ich ihm treu, doch eines Tages war klar, dass wir uns auseinandergelebt hatten, und wir haben uns im Guten getrennt. Danach wurde ich rastlos. So many writers, so little time – ich ziehe von einem zum anderen und lese seit Jahren nur noch selten mehr als ein Buch vom selben Autor. Allzu oft habe ich es auch ganz einfach bereut. Es ist eine Pattsituation: Gefällt mir ein Roman nicht, lese ich ganz sicher keinen zweiten aus derselben Feder, ich bringe nicht die Geduld für eine zweite Chance auf. Finde ich ein Buch dagegen genial, wird es schwierig: Ein zweites Werk hält eventuell nicht, was das erste versprach. So ging es mir, um nur ein paar Beispiele zu nennen, mit Lloyd Jones (<em>Mr. Pip</em> war hervorragend, <em>Here at the end of the world we learn to dance</em> war ein Flop), Colum McCann (<em>Zoli </em>war ein Meisterwerk, <em>Der Himmel unter der Stadt</em> arg enttäuschend), Gerbrand Bakker (von <em>Oben ist es still</em> war ich begeistert, <em>Tage im Juni</em> hat mich gelangweilt), Jeffrey Eugenides (<em>Middlesex </em>gehört zu meinen Lieblingsbüchern, <em>The marriage plot</em> war unglaublich schlecht) … und vielen anderen. Die einzigen zwei Schriftsteller, die durch mein engmaschiges Netz geschlüpft sind und von denen ich auch die Neuerscheinungen lese, sind Milena Agus und Per Petterson. Das ist aber eher Zufall als Plan.</p>
<p>Inzwischen habe ich eine echte Marotte entwickelt. Ich bewundere Leser, die große Fans eines Autors sind, seinem neuen Werk entgegenfiebern und seine Entwicklung verfolgen. Vielleicht beneide ich sie auch ein bisschen, denn ich schränke mich selbst stark ein mit meiner merkwürdigen Abneigung. Ich lese ein Buch, danke dem Autor mit einem Lächeln, grüße freundlich und reise weiter – manchmal würde ich aber möglicherweise gern ein Weilchen bleiben. Ich habe jedoch zu viel Angst, etwas zu verpassen. Wie geht es euch damit? Führt ihr enge Beziehungen mit manchen Schreibern oder habt ihr auch lieber One-Book-Stands? Seid ihr der Meinung, dass ich umgekehrt viel verpasse, weil ich so engstirnig bin? Gibt es eine Serie, die ihr liebt – und warum? Ich bin auf eure Antworten gespannt. Und fahre derweil auf Urlaub.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2746/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2746/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2746&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Milena Agus: Die Welt auf dem Kopf</title>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 16:15:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lesen! (4/5)]]></category>

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		<description><![CDATA[„Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“ „Johnson junior meint, wenn man Kinder in die Welt setzt, darf man nicht einmal im Traum daran denken, verrückt zu werden oder sich umzubringen.“ Daran haben sich die Eltern der jungen Ich-Erzählerin leider nicht gehalten, ihr Vater hat sich das Leben genommen, ihre Mutter ist verrückt geworden. [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2742&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/05/agus.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/05/agus.jpg?w=224&#038;h=300" alt="Agus" width="224" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-2743" /></a><strong>„Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“</strong><br />
„Johnson junior meint, wenn man Kinder in die Welt setzt, darf man nicht einmal im Traum daran denken, verrückt zu werden oder sich umzubringen.“ Daran haben sich die Eltern der jungen Ich-Erzählerin leider nicht gehalten, ihr Vater hat sich das Leben genommen, ihre Mutter ist verrückt geworden. Die Literaturstudentin, die bei ihrer Tante aufwuchs, ist inzwischen halbwegs darüber hinweg und genießt das Leben in einer Wohnung in einem alten Palazzo in Cagliari. Und zwar vor allem das Leben der anderen. Denn das ist viel interessanter. Der Signore von oben, Mr. Johnson aus Amerika, wurde von seiner reichen Frau verlassen, weshalb die Studentin es organisiert, dass die Signora von unten, Anna, ihm den Haushalt macht – und sie will die beiden natürlich nicht nur arbeitstechnisch verkuppeln. Annas Tochter Natascha, die absurd eifersüchtig ist, macht sich Sorgen um die herzkranke Mutter, die bisher von Männern nur ausgebeutet wurde. Dann tauchen Mr. Johnsons Sohn – der der Studentin gefallen würde, sich aber leider zum falschen Geschlecht hingezogen fühlt – und Enkel auf, ein altkluger kleiner Junge, den alle lieben. So könnte alles gut werden in dem alten Palazzo in Cagliari – käme nicht plötzlich Mr. Johnsons Frau zurück, um ihren alten Platz einzunehmen und damit das neue Glück zu zerstören …</p>
<p>Ich mag Milena Agus. Sehr. Sie gehört zu den wenigen bis sehr wenigen Autoren, von denen ich alle bisher erschienenen Bücher gelesen habe. Ich bin ein großer Fan ihres klaren, verschmitzten und schnörkellosen Stils. Ihre Geschichten sind wie Seifenblasen, banal eigentlich, aber gleichzeitig schillernd und faszinierend. Immer gibt sich die Autorin ein wenig hinterlistig und springt nicht gerade zimperlich mit ihren Figuren um – auch wenn sie diese stets liebevoll zeichnet. Ein wenig angeschlagen sind sie, die Charaktere, sie haben einen Knacks in der Seele und einen Sprung in der Schüssel. Auch im neuesten Roman <em>Die Welt auf dem Kopf</em> würfelt Milena Agus ein paar Menschen zusammen, steckt sie in ein Haus, streut eine Prise Liebe durch den Kamin und wartet ab, was geschieht. Nämlich – wie immer in ihren Büchern – eigentlich nichts, aber irgendwie doch viel. Es wird verkuppelt und sich verliebt, Herzen werden gebrochen und Liebhaber herbeigesehnt. Das alles geschieht in einem abgeschotteten Mikrokosmos, Beziehungen zur Außenwelt sind nicht von Bedeutung. Da ich in diesem Fall ausnahmsweise vergleichen kann, muss ich sagen, dass das neue Buch nicht an meinen Liebling <em>Die Frau im Mond</em> heranreicht, aber dennoch mehr als lesenswert ist. Es hat jenen einzigartigen Zauber, der allen Werken von Milena Agus eigen ist und dem ich verfallen bin. Es ist eine große Kunst, das Kleine zu erzählen, jene Winzigkeiten, die den Alltag ausmachen, zu einer fabelhaften, spannenden, melancholischen Geschichte zu verweben. Und diese Kunst beherrscht Milena Agus hervorragend.</p>
<p><strong>Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt &#8230;<br />
&#8230; fürs Auge:</strong> sehr schön.<br />
<strong>&#8230; fürs Hirn:</strong> Leichtigkeit und melancholische Schwere zugleich.<br />
<strong>&#8230; fürs Herz:</strong> alles, alles!<br />
<strong>&#8230; fürs Gedächtnis:</strong> auch den nächsten Roman von Milena Agus lesen!</p>
<p><em>Die Welt auf dem Kopf</em> von Milena Agus ist erschienen im <a href="http://www.dtv.de">dtv </a>(ISBN 978-3423280136, 200 Seiten, 18,90 Euro).</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2742/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2742/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2742&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Matthias Nawrat: Wir zwei allein</title>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 15:55:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Mittelstand (3/5)]]></category>

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		<description><![CDATA[„Die Liebe ist eine gute Institution. Sie wird nie aus der Mode kommen“ Eigentlich hat er ja angefangen zu studieren. Aber dann hat er ein bisschen den Antrieb verloren, und jetzt liefert er einfach mal Gemüse aus. Der 30-jährige Ich-Erzähler findet es ganz angenehm, auf einsamen Wegen durch den Schwarzwald zu fahren. Dass es aber [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2739&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/05/nawrat.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/05/nawrat.jpg?w=224&#038;h=300" alt="Nawrat" width="224" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-2740" /></a><strong>„Die Liebe ist eine gute Institution. Sie wird nie aus der Mode kommen“</strong><br />
Eigentlich hat er ja angefangen zu studieren. Aber dann hat er ein bisschen den Antrieb verloren, und jetzt liefert er einfach mal Gemüse aus. Der 30-jährige Ich-Erzähler findet es ganz angenehm, auf einsamen Wegen durch den Schwarzwald zu fahren. Dass es aber auch schön sein könnte, sein Leben mit jemandem zu teilen, merkt er, als er in der Kneipe die Künstlerin Theres kennenlernt: „Theres mit ihrem Lachen, das hüpft wie eine Bachstelze über Steine.“ Zuerst sieht es so aus, als würde er nicht an sie herankommen, doch dann entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, die nicht den üblichen Regeln folgt. Denn Theres ist anders, sehr sprunghaft, unberechenbar und launisch. Alles, was den Ich-Erzähler anfangs fasziniert hat, wird zur Belastung für ihn, denn er kann keine Zukunft mit Theres planen, sie nimmt es mit der Treue nicht so genau, und ihre Stimmungsschwankungen untergraben das Fundament ihrer Beziehung. Lange versteht er nicht, was mit Theres los ist und dass ihre unkontrollierbaren Launen einer Krankheit entspringen.</p>
<p><em>Wir zwei allein</em> von Matthias Nawrat ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Und ich mag ungewöhnliche Liebesgeschichten. Unperfekt müssen sie sein und ein bisschen schief, leicht angeschlagen und irgendwie schrullig. Natürlich ist das Normale viel zu normal, um einen Roman darüber zu schreiben, vor allem, wenn es um die Liebe geht. Also entwirft der in Polen geborene Autor zwei Figuren, die ein wenig angeknackst daherkommen: einen Mann, dessen erster Lebensentwurf gescheitert ist, und eine Frau, die gar keinen hat. Ein Gemüsefahrer und eine Künstlerin, zwei einsame Seelen, zwei Körper, die Wärme brauchen: „Hast du schon einmal versucht, Wolle zu essen, sagt sie, und das letzte Stück in der Hand zu behalten, so dass du nach dem Klo wie eine Perle aufgefädelt bist, bereit, jemandem um den Hals gehängt zu werden? Nein, sage ich. Ich auch nicht, sagt sie.“ Die Liebe der beiden ist wie ein scheuer Vogel, sie zeigt sich, hüpft und tiriliert, lässt sich aber nicht greifen. Und da dem Ich-Erzähler das eigentliche Problem so lange nicht klar ist, tappe auch ich im Dunkeln und werde immer verwirrter. Zwar folge ich dieser komplizierten Liebelei durchaus gern, aber die gewünschte Sogwirkung übt der Roman nicht auf mich aus. Ich verirre mich zwischen all den Fäden, in die die zwei Protagonisten sich verwickeln, und von beiden kann ich verschiedene Handlungsweisen weder nachvollziehen noch verstehen. Was aber auch nicht weiter schlimm ist – schließlich wollte ich es ja so mit dem Ungewöhnlichen. Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl, dass die Geschichte nicht gehalten hat, was sie mir am Anfang versprochen hat: viel Tiefgang und ein bisschen Leuchten. Doch letztlich breitet sich in dieser Liebesgeschichte wie in jeder anderen auch großes Schweigen aus.</p>
<p><strong>Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt &#8230;<br />
&#8230; fürs Auge:</strong> die Karotte ist unbezahlbar genial.<br />
<strong>&#8230; fürs Hirn:</strong> dass alles, was einen anfangs fasziniert, irgendwann nervt.<br />
<strong>&#8230; fürs Herz:</strong> nun ja, es ist eine Lovestory.<br />
<strong>&#8230; fürs Gedächtnis:</strong> ein Lieblingszitat: „Sonntage sind in Wahrheit Gemälde aus der Romantik. Weil die Menschen nicht arbeiten, gibt es nur das Wetter, sonst passiert nichts.“</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2739/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2739/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2739&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Wichtige Bücher meines Lebens</title>
		<link>http://buecherwurmloch.wordpress.com/2013/04/14/wichtige-bucher-meines-lebens/</link>
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		<pubDate>Sun, 14 Apr 2013 19:26:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücherwurmloch]]></category>

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		<description><![CDATA[Lebensliteratur Letzte Woche bin ich 30 Jahre alt geworden. Was das mit Büchern zu tun hat? Auf den ersten Blick nichts. Und gleichzeitig alles. Weil das Lesen mein ganzes Leben prägt &#8211; und weil ein runder Geburtstag immer Anlass gibt für eine Art Zwischenbilanz. Was hab ich erreicht, gesehen, erlebt, welche Wünsche sind in Erfüllung [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2732&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/wichtig.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/wichtig.jpg?w=224&#038;h=300" alt="Wichtig" width="224" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-2733" /></a><strong>Lebensliteratur</strong><br />
Letzte Woche bin ich 30 Jahre alt geworden. Was das mit Büchern zu tun hat? Auf den ersten Blick nichts. Und gleichzeitig alles. Weil das Lesen mein ganzes Leben prägt &#8211; und weil ein runder Geburtstag immer Anlass gibt für eine Art Zwischenbilanz. Was hab ich erreicht, gesehen, erlebt, welche Wünsche sind in Erfüllung gegangen, welche Wunden verheilt? Und: Welche Bücher haben mich verändert? Bücher haben mich zu dem gemacht, was ich bin &#8211; Lektorin und Texterin &#8211; , ich verbringe meine Freizeit mit Büchern, ich träume davon, sehne mich danach &#8211; sie sind mir wichtig. Also habe ich mich pünktlich zum Jubiläumsgeburtstag vor mein Regal gestellt, ich besitze ja nur eins, und habe die wenigen Buchrücken betrachtet, die mir wichtig genug sind, dass sie bei mir bleiben dürfen, und habe mich gefragt, welche davon die größte Wirkung auf mich gehabt haben. Die Auswahl ist mir überraschend leicht gefallen. Viele, viele, viele Bücher haben mich beeindruckt, berührt, meinen Horizont verändert. Diese hier gehören zu den wichtigsten meines Lebens:</p>
<p><strong>Michael Ende: Die unendliche Geschichte</strong><br />
Es war sicher nicht das Buch, mit dem alles begann, weil ich schon davor gelesen habe. Aber es war das Buch, mit dem alles begann. Nie werde ich das Gefühl vergessen, als ich mit acht Jahren zum ersten Mal begriff, wie mächtig, wie unendlich die Fantasie ist. Michael Ende öffnete mir die Tür zu einem Reich, das ich niemals mehr verlassen wollte: zur Welt der Literatur. Dem Paradies, gewissermaßen.</p>
<p><strong>Astrid Lindgren: Mio, mein Mio</strong><br />
Astrid Lindgren war genial und in meinen Augen die beste Kinderbuchautorin der Welt. Ich besitze fast nichts aus meiner Kindheit, aber Pippi und Ronja, die Brüder Löwenherz und Klingt meine Linde sind immer bei mir. Astrid Lindgrens unsterbliches Werk habe ich Zeile für Zeile verschlungen und geliebt. <em>Mio, mein Mio</em> ist ein unfassbar trauriges, stolzes, mutiges Buch, das mir für immer viel bedeuten wird.</p>
<p><strong> Arundhati Roy: The God of small things</strong><br />
Arundhati Roy markiert einen Wendepunkt in meiner literarischen Persönlichkeitsfindung. Nach dem Hanni-und-Nanni-Genre, vielen Biografien, Hohlbein-Fantasy und zahlreichen Krimis habe ich mit 15 <em>The God of small things</em> gelesen. Und war elektrisiert. Zu Tränen gerührt. Fassungslos. Verstört. Und glücklich. Ich wusste plötzlich, dass ich die Entdeckungsreise ernsthaft angehen musste: Die &#8220;echte&#8221; Literatur wartete auf mich.</p>
<p><strong>Javier Marias: Mein Herz so weiß</strong><br />
Den Beginn dieser Entdeckungsreise machte Javier Marias. Seine endlosen Sätze legten sich wie Schlingen um mich, und ich musste mir den Zugang zur Geschichte hart erkämpfen. Das hat sich gelohnt, und ich habe gemerkt, dass es nicht das Gefällige ist, das ich suche, sondern dass ich durchaus interessiert bin an der Herausforderung.</p>
<p><strong>Peter Hoeg: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels</strong><br />
&#8220;Ich glaube, es war Liebe. Ist man ihr einmal begegnet, dann will man nicht mehr sinken. Dann sehnt man sich für immer nach dem Licht und der Oberfläche.&#8221; Das ist mein Lieblingszitat aus diesem Buch. Die Geschichte ist tieftraurig und ging mir an die Substanz. Ich habe mich mehr denn je in Worte verliebt, in ihre Melodie, wenn sie klingen, in die Poesie, die sie bilden können.</p>
<p><strong>José Saramago: Die Stadt der Blinden</strong><br />
Was für ein Kaliber! Dieses Buch hat mich niedergestreckt. Und mich wachgerüttelt. Es hat mir gezeigt, dass mit Worten alles, alles möglich ist, dass wir damit erschaffen können, was nicht existiert, und beschreiben können, was wir empfinden. José Saramago hat mich innerlich umgegraben, und das war gut so.</p>
<p><strong>Yann Martel: Life of Pi</strong><br />
Es gab eine Zeit, da habe ich mich viel mit Religion beschäftigt &#8211; ich war sieben Jahre lang Ministrantin, ehe ich mit 18 aus der katholischen Kirche ausgetreten bin. Yann Martel hat einen sensiblen Punkt in mir berührt, indem er mit diesem Buch so wunderbar zeigt, dass alle Religionen Geschichten sind &#8211; weil Menschen Geschichten brauchen, weil Gott eine gute Geschichte ist. Das hat mir viel bedeutet und es hat dazu beigetragen, mich tolerant und offen zu machen, ich konnte all das Erlebte besser loslassen.</p>
<p><strong>John Irving: A prayer for Owen Meany</strong><br />
Als ich 17 war, begann meine erste ernste Beziehung mit einem Autor: John Irving. Es begann mit <em>A widow for one year</em>, und als ich <em>A prayer for Owen Meany</em> in die Finger bekam, war es um mich geschehen. Ich wusste, dass Literatur für mich so sein musste wie dieses Buch: wild, verrückt, unfassbar klug, ergreifend, sinnvoll. Nach vielen Jahren und vielen Büchern haben wir uns, wie es oft der Fall ist in einer Liebesbeziehung, ein wenig aus den Augen verloren und im Guten getrennt. Aber John Irving gehört für mich persönlich nach wie vor zu den genialsten Autoren überhaupt, und alle anderen müssen sich mit ihm messen.</p>
<p><strong>Per Petterson: Pferde stehlen</strong><br />
Mit diesem Buch war die Suche nach meinem literarischen Ich sozusagen abgeschlossen. Mit dieser Lektüre wurde mir klar, dass ich angekommen war &#8211; bei dem Stil, den ich liebe, und bei mir selbst. Ich will es melancholisch und ein bisschen schwierig, ich will es tiefgründig, klug und berührend. Ich will Bücher, die mich nicht in Ruhe lassen und die Gefühle in mir auslösen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2732/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2732/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2732&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Torsten Schulz: Nilowsky</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Apr 2013 18:57:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Mittelstand (3/5)]]></category>

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		<description><![CDATA[„Was ich selber denk und tu, trau ich jedem andern zu“ Markus Bäcker findet es 1976 am Rand von Ost-Berlin ziemlich scheiße. Es stinkt nach dem Chemiewerk, andauernd rattern Züge vorbei, die Mutter treibt sich bei den Afrikanern herum, und in der Schule kennt er niemanden. Dann begegnet er Nilowsky, dessen Vater die Kneipe in [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2727&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/schulz.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/schulz.jpg?w=224&#038;h=300" alt="Schulz" width="224" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-2728" /></a><strong>„Was ich selber denk und tu, trau ich jedem andern zu“</strong><br />
Markus Bäcker findet es 1976 am Rand von Ost-Berlin ziemlich scheiße. Es stinkt nach dem Chemiewerk, andauernd rattern Züge vorbei, die Mutter treibt sich bei den Afrikanern herum, und in der Schule kennt er niemanden. Dann begegnet er Nilowsky, dessen Vater die Kneipe in Pankow betreibt, dessen Vater säuft und den Sohn verprügelt. Nilowsky ist eigensinnig, ein paar Jahre älter, herausfordernd und entschlossen, eine Tages Carola zu heiraten. Markus ist hingerissen von dem rauen Typen, der unberechenbar ist und ihn ständig an die Grenzen bringt – genauso wie von Carola, die für immer dreizehn bleiben will, obwohl sie längst älter ist. Eine seltsame Dreiecksgeschichte entspinnt sich, die weder eine Liebesbeziehung noch eine richtige Freundschaft ist. Die Faszination, die Nilowsky auf Markus ausübt, ist auch Jahre später ungebrochen, als die Mauer fällt und die Jugendlichen erwachsen geworden sind – aber nicht glücklicher …</p>
<p>Torsten Schulz hat es mir mit seinem zweiten Roman <em>Nilowsky </em>nicht unbedingt leicht gemacht. Im ersten Drittel weckt er meine Neugier mit seiner Geschichte über einen Außenseiter, zu dem sich ein zweiter gesellt – mit einem dritten im Schlepptau. Ich finde das Setting interessant: Berlins Vorstadt, giftige Dämpfe, viel Alkohol, kaum Perspektiven. Auftritt Underdog: Nilowsky ist ruhelos, ein vernachlässigtes Kind, ein ratloser Jugendlicher, bald auch eine Waise. Der Autor macht ihn zu einer widersprüchlichen und durchaus faszinierenden Persönlichkeit mit einer anstrengenden Art zu reden, er zeigt Nilowsky außen cool und selbstsicher, innerlich orientierungslos und verloren. Die, die ihm etwas bedeuten, sterben ihm weg, und die Liebe zu Carola, sein einziger Fixpunkt, gestaltet sich – wie wohl jede Liebe – schwierig. Ab der Hälfte entgleitet mir der Roman jedoch langsam, es kommen nicht die Abenteuer, die ich erwartet habe, sondern die Wege trennen sich, der einst enge Kontakt wird bedeutungsloser, die drei lassen einander nicht ganz los, haben aber auch nicht jene Wirkung aufeinander, die der Anfang mir versprochen hat. Die Geschichte zerfällt in meinen Händen, verliert an Konsistenz und an Spannkraft, was ich naturgemäß schade finde. Als Markus und Nilowsky einander verlieren, verliert Torsten Schulz mich. Geschickt hat er die geschichtlichen Umstände – vor allem rund um den Fall der Mauer – in den Roman eingebaut, aber sie bleiben Rahmenbedingungen mit wenig Auswirkungen auf die Figuren. Letztlich war dieses Buch für mich wie ein gutes Nudelgericht: Nicht das Feinste, was es gibt, aber es stillt für eine Weile den Hunger.</p>
<p><strong>Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt &#8230;<br />
&#8230; fürs Auge:</strong> der Zug, die Gleise, ja &#8211; aber das Huhn?!<br />
<strong>&#8230; fürs Hirn:</strong> eine ungewöhnliche Freundschaft, eine Art der Abhängigkeit und ein bisschen Politik.<br />
<strong>&#8230; fürs Herz:</strong> wo die Versuche zu lieben scheitern, bleibt nur Gleichgültigkeit.<br />
<strong>&#8230; fürs Gedächtnis:</strong> leider nicht allzu viel.</p>
<p><em>Nilowksy</em> von Torsten Schulz ist erschienen im <a href="http://www.klett-cotta.de">Klett-Cotta Verlag</a> (ISBN 978-3-608-93971-2, 285 Seiten, 19,95 Seiten). </p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2727/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2727/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2727&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Marjorie Celona: Hier könnte ich zur Welt kommen</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Apr 2013 18:23:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lesen! (4/5)]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf der Suche nach der eigenen Identität „Wenn man mitten im Getümmel des Lebens steckt, dann kommt es einem wie ein einziges Desaster vor, Shannon – eine Überraschung jagt die nächste. Doch wenn man dann später auf sein Leben zurückblickt, wirkt es wie ein plausibler Handlungsablauf. Eine Sache führt zur nächsten. Und so weiter. Man [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2722&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/celona.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/celona.jpg?w=224&#038;h=300" alt="Celona" width="224" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-2723" /></a><strong>Auf der Suche nach der eigenen Identität</strong><br />
„Wenn man mitten im Getümmel des Lebens steckt, dann kommt es einem wie ein einziges Desaster vor, Shannon – eine Überraschung jagt die nächste. Doch wenn man dann später auf sein Leben zurückblickt, wirkt es wie ein plausibler Handlungsablauf. Eine Sache führt zur nächsten. Und so weiter. Man beginnt, den kausalen Zusammenhang zwischen allem zu erkennen.“ Doch für Shannon ist es schwierig, solche Zusammenhänge zu finden und den roten Faden in ihrem Leben zu erkennen: Sie weiß nicht, wer ihre Eltern sind und wo ihre Wurzeln liegen, sie weiß nicht, wer sie ist. Ihre Mutter hat sie als Baby anonym weggegeben, und erst mit fünf Jahren landet sie bei Miranda und deren Tochter Lydia-Rose, wo sie bleiben kann. Dort führt sie ein normales Leben, das von Zuneigung, aber auch von Streitigkeiten geprägt ist. Doch da ist dieses Sehnen in ihr, das nicht vergeht: „Ich möchte wissen, wer meine Mutter ist. Ich möchte wissen, wer meine richtige Familie ist, wo ich wirklich hingehöre, warum ich so aussehe, warum ich solche Gefühle habe. Ich möchte diese Dinge wissen – mehr als alles andere auf der Welt.“ Also macht Shannon sich auf die Suche – nach ihrer Mutter und ihrer Geschichte.</p>
<p>Der Roman <em>Hier könnte ich zur Welt kommen</em> lebt von der intensiven und einfühlsamen Erzählweise Marjorie Celonas. Die kanadische Autorin lässt ihr Debüt in ihrer Heimat Vancouver Island spielen, wo die Winde rau sind und die Menschen auch. Marjorie Celona hat für ihre starke Story über ein adoptiertes Mädchen die Ich-Perspektive gewählt, und Protagonistin Shannon berichtet über Zeiten und Dinge, von denen sie nichts wissen kann: die eigene Geburt, die ersten Lebensjahre in der Obhut diverser Pflegefamilien. Abwechselnd wird von Shannons Aufwachsen und den Umständen ihrer Geburt erzählt, bis Gegenwart und Vergangenheit zusammentreffen – und zu einer Geschichte voll Versagen und Schmerz, Menschlichkeit, Trauer und Sehnsucht verschmelzen. Shannons Wut und Traurigkeit sind stets greifbar, sie fühlt sich abgeschnitten, verloren, und ich kann mir vorstellen, wie schlimm es sein muss, die eigenen Wurzeln nicht zu spüren – auch wenn es natürlich nur eine theoretische Vorstellung bleibt. Was ihrer eigentlichen Familie geschehen ist und warum Shannons Mutter das Baby weggelegt hat, erschüttert und betrübt mich zutiefst – durch den Egoismus zweier Menschen zerbrach einst alles, und sie tragen viele Jahre später noch schwer an ihrer Schuld. Das zu lesen, tut richtig weh, ich will eingreifen in den entscheidenden Sekunden und alles verhindern. <em>Hier könnte ich zur Welt kommen</em> ist bewegend, aber niemals kitschig und überrascht mich mit einem in meinen Augen realistischen Ende, das perfekt zur Geschichte passt. Eine richtig gute Entdeckung im Frühjahrsprogramm 2013.</p>
<p><strong>Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt &#8230;<br />
&#8230; fürs Auge:</strong>ein Hingucker!<br />
<strong>&#8230; fürs Hirn:</strong> die Überlegung, wie es sich anfühlen muss, ein derart ungewolltes Kind zu sein.<br />
<strong>&#8230; fürs Herz:</strong> viel Wut, Schmerz und Einsamkeit.<br />
<strong>&#8230; fürs Gedächtnis:</strong> die schreckliche, unfassbar traurige Geschichte von Eugene.</p>
<p><em>Hier könnte ich zur Welt kommen</em> von Marjorie Celona ist erschienen bei <a href="http://www.suhrkamp.de">Suhrkamp/Insel</a> (ISBN 978-3-458-17562-9, 347 Seiten, 19,95 Euro). </p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2722/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2722/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2722&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Pyotr Magnus Nedov: Zuckerleben</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Apr 2013 09:24:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Mittelstand (3/5)]]></category>

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		<description><![CDATA[„Das sind die Momente, in denen sich die Krebszellen im Menschen bilden“ Im Jahr 2011 fährt der Moldawier Tolyan Andreewitsch durch die Abruzzen und kann gerade noch verhindern, dass er die zwei Teenager Angelo und Cristina überrollt, die auf der Straße liegen. Die beiden haben ihre Jobs in der Zuckerfabrik verloren und sind unglücklich verliebt [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2718&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/nedov.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/nedov.jpg?w=225&#038;h=300" alt="Nedov" width="225" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-2719" /></a><strong>„Das sind die Momente, in denen sich die Krebszellen im Menschen bilden“</strong><br />
Im Jahr 2011 fährt der Moldawier Tolyan Andreewitsch durch die Abruzzen und kann gerade noch verhindern, dass er die zwei Teenager Angelo und Cristina überrollt, die auf der Straße liegen. Die beiden haben ihre Jobs in der Zuckerfabrik verloren und sind unglücklich verliebt – Cristina in einen Rowdy, Angelo in Cristina. Also wollen sie sich umbringen. Zusammen mit Andreewitsch landen sie jedoch erst einmal in einer kleinen Pension, in der es tatsächlich einen Selbstmord gegeben hat und dessen Besitzerin die Leiche unbedingt loswerden muss. Der Moldawier kennt sich mit Zucker aus und erzählt den zwei Jugendlichen in dieser verrückten Nacht die Geschichte seines Lebens. Sie führt zurück ins Jahr 1991, als die Sowjetunion auseinanderfiel und in der moldawischen Industriestadt Donduseni ein paar Männer beschlossen, sich die Freiheit zu erkaufen. Ihre Währung: selbstgebrannter Schnaps. Der Rohstoff dafür: 40 Tonnen gestohlener Zucker. Der Zuckerfabrikdirektor ist tot, die Sowjetunion stirbt, die Männer setzen ihr Leben aufs Spiel – und auch 2011 wird ein Begräbnis stattfinden.</p>
<p><em>Zuckerleben </em>von Pyotr Magnus Nedov ist ein absurder Alptraum. Es ist zusammengesetzt aus unglaublichen, wahnwitzigen, lustigen und traurigen Szenen, die – während man sie miterlebt – durchaus Sinn zu ergeben scheinen, während man sich nach dem „Aufwachen“ fragt, ob man das tatsächlich so gelesen hat. Der Autor hat das Buch in zwei Bereiche geteilt, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen denen er hin und her springt. Bindeglied ist dabei die Figur des Moldawiers Tolyan Andreewitsch, der aber nicht als Ich-Erzähler auftritt und dessen wahre Identität lange verborgen bleibt. Worum geht es in Zuckerleben? Um Wagemut und Risiko, den Traum von der Freiheit, das Zerbrechen des Kommunismus und Selbstmord. Die Figuren, die allesamt so komplizierte Namen tragen, dass meine Augen über die Buchstaben stolpern, sind zum Großteil raue Gesellen, in der untergehenden Sowjetunion wird nicht lang gefackelt, jeder schaut nur auf sich selbst. Pyotr Magnus Nedov schreibt flüssig, eloquent und amüsant, schweift aber manchmal derart ab, dass ich vor Ungeduld aufseufzen muss. Sein ganzes Buch ist herrlich ironisch und ein bisschen böse. Er fasst die Menschen im Moldawien des Jahres 1991 nicht, wie man es oft erlebt, ob ihrer Armut und ihres Schicksals mit Samthandschuhen an – im Gegenteil, er stellt sie als ebenso gewitzt wie raffgierig dar.</p>
<p><em>Zuckerleben </em>hat mich ein bisschen verrückt gemacht. Während ich mich an manchen Stellen gut unterhalten gefühlt habe, haben mir andere wegen der ausufernden Dialoge graue Haare beschert. Man muss stets extrem gut aufpassen, um den Faden nicht zu verlieren. Höchst irritiert war ich, als der Autor einige Nebenfiguren plötzlich Österreichisch reden ließ – als Moldawier. Vermutlich soll das ein Pendant zu einem moldawischen Dialekt sein, aber Wörter wie „Zuckergoscherl“ zu verwenden, die eindeutig österreichisch sind, oder Aussprachevarianten wie „Bua“ und „was Guats“ zu verwenden, finde ich fragwürdig. Ich weiß nicht, inwieweit man einem Moldawier dieses Kunst-Österreichisch mit Aspekten aus dem Wienerischen und Steirischen in den Mund legen kann, das scheint mir wenig authentisch. Insgesamt ist es Pyotr Magnus Nedov aber gut gelungen, mir Einblick zu gewähren in ein Land, mit dem ich so gar nichts zu tun habe – zu einer Zeit, als es sich im Umbruch befand. Allein dafür hat sich die Lektüre gelohnt, und wer Lust hat auf einen wilden, abstrusen Roadtrip durch Moldawien – und die Nerven dafür aufbringt –, dem sei <em>Zuckerleben </em>ans Herz gelegt.</p>
<p><strong>Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt &#8230;<br />
&#8230; fürs Auge:</strong> ein supercooles Cover, die Reifenspuren sind erhaben.<br />
<strong>&#8230; fürs Hirn:</strong> Politik, Geheimnisse, verrückte Ideen &#8230;<br />
<strong>&#8230; fürs Herz:</strong> Liebesgeschichte gibt es keine, die kranke Teenager-Romanze mag ich nicht dazuzählen.<br />
<strong>&#8230; fürs Gedächtnis:</strong> der ungewöhnliche Aufbewahrungsort für die Leiche des Zuckerfabrikdirektors.</p>
<p><em>Zuckerleben</em> von Pyotr Magnus Nedov ist erschienen im <a href="http://www.dumont-buchverlag.de">Dumont Verlag</a> (ISBN 978-3-8321-9702-5, 380 Seiten, 19,99 Euro).</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2718/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2718/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2718&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Eleanor Brown: The weird sisters</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Apr 2013 08:45:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Mittelstand (3/5)]]></category>

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		<description><![CDATA[„We’re all fuckups in our own special ways“ „Our family has always communicated its deepest feelings through the words of a man who has been dead for almost four hundred years.“ Gemeint ist William Shakespeare, den die drei Schwestern Rose, Bean und Cordy im Schlaf zitieren können. Schuld daran ist ihr Vater, Professor und Shakespeare-Spezialist. [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2715&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/brown.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/04/brown.jpg?w=225&#038;h=300" alt="Brown" width="225" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-2716" /></a><strong>„We’re all fuckups in our own special ways“</strong><br />
„Our family has always communicated its deepest feelings through the words of a man who has been dead for almost four hundred years.“ Gemeint ist William Shakespeare, den die drei Schwestern Rose, Bean und Cordy im Schlaf zitieren können. Schuld daran ist ihr Vater, Professor und Shakespeare-Spezialist. Die Familienmitglieder werfen einander die jeweils zur Situation passenden Zitate um die Ohren, und der Vater vermittelt den Töchtern sogar mit Shakespeares Worten, dass die Mutter an Brustkrebs erkrankt ist. Die drei Schwestern kehren heim – offiziell, um ihrer Mutter beizustehen, inoffiziell, weil jede von ihnen an einem Punkt im Leben angelangt ist, an dem sie eine Auszeit braucht: Rose will Jonathan heiraten, aber nicht zu ihm nach England ziehen, Bean hat ihren Job in New York verloren, weil sie Geld veruntreut hat, und Cordy hat das Zigeunerleben satt – und ist außerdem schwanger. Zurück in der Kleinstadt Barnwell versuchen sie, eine Lösung für ihre Probleme zu finden – wenn es sein muss, auch mit Shakespeare.</p>
<p><em>The weird sisters </em>von Eleanor Brown ist ein Buch, das wohl in die Kategorie Unterhaltung für Frauen einzuordnen ist. Wir sprechen hier allerdings nicht von Chicklit, denn der Roman hat durchaus Niveau – dafür sorgen schon allein die vielen Shakespeare-Zitate, die die Autorin geschickt an den geeigneten Stellen eingeflochten hat. Das Setting ist nichts Besonderes – eine Kleinstadt, ein heißer Sommer –, die Figuren sind es auch nicht unbedingt: drei ungleiche Schwestern, eine Mutter als Ruhepol, der Vater, der abseits von seinem Shakespeare-Wissen recht blass bleibt. Was das Buch jedoch außergewöhnlich macht, ist die Perspektive: Eleanor Brown schreibt in der ersten Person Plural. Dieses Wir sind die Schwestern, die aber auch alle einzeln als Figuren genannt werden – es gibt kein Ich. Das ist extrem befremdlich und klingt beispielsweise so: „When Rose was six and Bean three, our mother nearly ready to give birth to Cordy, we were in the kitchen playing while our mother baked.“ Das ist streng genommen nicht möglich, das Wir in diesem Fall müssten eigentlich Rose und Bean sein, aber Cordy wird davon ebenfalls eingeschlossen. Diese ungewöhnliche Erzählform fasziniert mich und stößt mich gleichzeitig ab, weil ich mich ständig frage, wer da eigentlich berichtet. Was die Geschichte an sich betrifft, so habe ich nicht das Gefühl, dass man sie gelesen haben muss – aber zum Zeitvertreib kann man es auf jeden Fall tun.</p>
<p><strong>Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt &#8230;<br />
&#8230; fürs Auge:</strong> des Covers wegen hätte ich das Buch nicht gekauft.<br />
<strong>&#8230; fürs Hirn:</strong> Shakespeare!<br />
<strong>&#8230; fürs Herz:</strong> ja, ein Frauenroman halt.<br />
<strong>&#8230; fürs Gedächtnis:</strong> die merkwürdige Erzählperspektive.</p>
<p><em>The weird sisters</em> von Eleanor Brown ist auf Deutsch unter dem Titel <em>Die Shakespeare-Schwestern</em> erschienen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2715/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2715/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2715&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Adam Johnson: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 12:31:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mariki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Highlights (5/5)]]></category>

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		<description><![CDATA[„In meinem Land ergibt alles einen klaren, eindeutigen Sinn. Es ist der unkomplizierteste Ort der Welt“ Pak Jun Do – benannt nach einem nordkoreanischen Märtyrerhelden – wächst im Waisenhaus auf, in dem sein Vater Aufseher ist. Hunger und harte Arbeit prägen seine Kindheit, und als er das Waisenhaus verlässt, beginnt eine ebenso abenteuerliche wie verrückte [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2709&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/03/johnson.jpg"><img src="http://buecherwurmloch.files.wordpress.com/2013/03/johnson.jpg?w=300&#038;h=225" alt="Johnson" width="300" height="225" class="alignleft size-medium wp-image-2710" /></a><strong>„In meinem Land ergibt alles einen klaren, eindeutigen Sinn. Es ist der unkomplizierteste Ort der Welt“</strong><br />
Pak Jun Do – benannt nach einem nordkoreanischen Märtyrerhelden – wächst im Waisenhaus auf, in dem sein Vater Aufseher ist. Hunger und harte Arbeit prägen seine Kindheit, und als er das Waisenhaus verlässt, beginnt eine ebenso abenteuerliche wie verrückte Odyssee: Jun Do wird in völliger Dunkelheit zum Tunnelkämpfer ausgebildet, muss dann auf einem kleinen Schiff wahllos Menschen von der japanischen Küste entführen und eine beliebte Opernsängerin kidnappen, bevor er schließlich auf einem Haifischfängerpiratenboot landet als getarnter Spion, der feindliche Funksprüche abhören soll. Eine wilde, erfundene Geschichte, die die Besatzung erzählt, um sich vor dem Gefängnis zu retten, führt Jun Do gar mit einer nordkoreanischen Delegation nach Texas, und zu guter Letzt findet er sich in einem Strafgefangenenlager wieder, aus dem keiner lebend rauskommt. Jun Do gelingt es allerdings – mit der Identität eines Militärkommandanten, Ehemann von Nordkoreas bekanntester Schauspielerin Sun Moon. Er nimmt den Platz an ihrer Seite ein, er spielt die Rolle in der Farce, zu der sein Leben geworden ist, perfekt. Immer näher kommt er dabei dem Geliebten Führer Kim Jong-Il – und immer gefährlicher wird das für ihn …</p>
<p>Der amerikanische Autor Adam Johnson hat sich für seinen zweiten Roman so richtig ins Zeug gelegt: Er hat ihn an einen Ort verlegt, der real ist und den noch niemand kennt. Zwar hat er Nordkorea zu Recherchezwecken selbst bereist, doch die Gespräche mit den Nordkoreanern waren aufgrund ihrer Sicherheitsregeln im Umgang mit Amerikanern stark verfälscht. Für <em>Das geraubte Leben des Waisen Jun Do</em> hat er mit Dokumenten, Belegen und eigenen Eindrücken gearbeitet – und mit der Kraft der Fantasie. Er hat sich einen Helden erdacht, ein Waisenkind, einen ruhigen, klugen, starken Mann, dem Dinge passieren, die völlig absurd sind: „Aber meine Geschichte ist so unwahrscheinlich, ich kann sie ja selbst kaum glauben.“ Die Geschichte an sich, das Erleben und Erzählen einer Geschichte, steht im Fokus dieses wilden, atemberaubenden, mitreißenden Romans, denn in Nordkorea, das beherrscht wird von der Meinung des Staats und den Lautsprechern, die diese öffentlich kundtun, hat offiziell niemand eine Geschichte: „Die Geschichten der Leute erzählst nicht du, sondern der Staat. Wenn ein Bürger etwas tut, das erzählt werden sollte, ob gut oder schlecht, dann ist das die Sache des Geliebten Führers und seiner Vertrauten. Nur ihnen steht es zu, Geschichten zu erzählen.“ Strenge Regeln und Angst beherrschen das Leben das Nordkoreaner, das stets bedroht zu sein scheint: „Für wahre Geschichten wie diese, von Menschen erlebte, konnte man im Gefängnis landen, ganz egal, wovon sie handelten.“ Was Adam Johnsons Geschichte betrifft, so glaube ich ihm von Anfang an kein Wort – und weiß doch, dass jedes einzelne wahr sein könnte. Aus diesem Grund verliebe ich mich in sein Buch. Kaum etwas von dem, was er schreibt, kann er wissen, er hat mit dem bekannten Grundsatz gebrochen, nur von dem zu berichten, was man kennt, er ist mutig, verzettelt sich manchmal komplett – und ich bewundere ihn sehr dafür. Vielleicht kann man ihm vorwerfen, dass die Dialoge manchmal allzu amerikanisch klingen, dass sein Geliebter Führer merkwürdig verzerrt vermenschlicht wirkt, dass alle Ereignisse absolut verrückt sind, aber wenn man sich wie ich derart verloren hat in diesem herrlich absurden Buch, wird man es nicht tun. Er selbst sagt dazu richtigerweise: „Wir wissen erst dann, wie man einen Roman schreibt, der in Nordkorea spielt, wenn nordkoreanische Autoren endlich selbst ihre Geschichte erzählen dürfen.“</p>
<p><em>Das geraubte Leben des Waisen Jun Do</em> hat mich überrumpelt. Wie ein engmaschiges Netz hat Adam Johnson seine Sätze und Buchstaben über mich geworfen, ich kann ihnen nicht entkommen und werde regelrecht überrannt von den fantastischen Geschehnissen rund um Pak Jun Do. Alles ist mir fremd, sein Land, seine Erziehung, sein Hunger, seine Hingabe. Der Vergleich eines Rezensenten der „Zeit“, Jun Do sei der nordkoreanische Forrest Gump, ist unglaublich passend – und ich bin ein überaus großer Fan von Forrest Gump. Dieser Roman ist trotz der Unfreiheit, die das Leben in Nordkorea beherrscht, ungezähmt und unbesiegbar, er zwingt mich nieder mit seiner Flut an Seiten, überraschenden Wendungen und nie gehörten Geschichten. Ich habe ihn verschlungen, es war ein Erlebnis und ein Abenteuer, das mich in jeder Hinsicht überwältig hat: Ich habe mich gefreut und geärgert, ich habe gelitten und geschmunzelt, habe meine Augen über die Zeilen fliegen lassen vor Ungeduld. Wer das Wagnis eingeht, dieses Buch zu lesen, sollte sich warm anziehen – und wird trotzdem schrecklich frieren auf seiner absonderlichen Reise durch ein weit entferntes, unheimliches Land, in dem Menschen unterdrückt werden und Glück vom Staat vorgeschrieben wird. Fulminant!</p>
<p><strong>Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt &#8230;<br />
&#8230; fürs Auge:</strong> cool, schön, ausgezeichnet!<br />
<strong>&#8230; fürs Hirn:</strong> eine grandiose Lügengeschichte, die bis ins Detail wahr sein könnte, denn was wissen wir von Nordkorea?<br />
<strong>&#8230; fürs Herz:</strong> die vielen kleinen herzergreifenden Einzelschicksale.<br />
<strong>&#8230; fürs Gedächtnis:</strong> der gesamte Roman, der wirklich jenes Ereignis ist, als das er verdienterweise gefeiert wird.</p>
<p><em>Das geraubte Leben des Waisen Jun Do</em> ist erschienen im <a href="http://www.suhrkamp.de">Suhrkamp Verlag</a> (ISBN 978-3-518-46425-0, 687 Seiten, 22,90 Euro). <a href="http://www.suhrkamp.de/adam-johnson/geraubtes-leben_1001.html">Hier </a>gibt es eigene Verlagswebsite zum Buch, und <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2013-03/Roman-Adam-Johnson-Jun-Do">hier </a>findet ihr die lesenswerte Rezension aus der &#8220;Zeit&#8221;.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/buecherwurmloch.wordpress.com/2709/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/buecherwurmloch.wordpress.com/2709/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=buecherwurmloch.wordpress.com&#038;blog=9144289&#038;post=2709&#038;subd=buecherwurmloch&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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