Eva Lohmann: Acht Wochen verrückt

LohmannSnack für zwischendurch – Kurzrezension

Worum geht’s?
Milena ist am Ende, sie funktioniert nicht mehr: „Mir ging es auch gar nicht schlecht, fand ich. Mir ging es irgendwie überhaupt nicht mehr.“ Als ihre Depression sie so niederdrückt, dass sie nichts mehr kann außer weinen, wird sie in eine Klinik eingewiesen. Und fragt sich erst einmal, was sie dort soll. Kritisch beäugt sie die Magersüchtigen, die Selbstmordgefährdeten und Verzweifelten. Gerade war doch noch alles gut, sie ist jung, hübsch, hat einen gut bezahlten Job und einen lieben Freund – warum nur kann sie nicht glücklich sein? Das soll sie in der Therapie herausfinden. Und innerhalb von acht Wochen bekommt Milena auch die Wurzel allen Übels zu packen, die natürlich in ihrer Kindheit liegt.

Hat’s gemundet?
Nicht wirklich. Acht Wochen verrückt kann man schwupps auslesen – muss man aber nicht. Die Geschichte ist in meinen Augen sehr oberflächlich und unoriginell. Milena landet in der Klapse, macht sich auf hysterische Art über sich selbst und die anderen „Verrückten“ lustig, hat neuzeitliche „Ich setze mich immer so unter Druck“-Probleme und kommt auch als Erwachsene nicht mit der Scheidung der Eltern klar. Das ist Klischee über Klischee, und manchmal habe ich das Gefühl, mir purzelt in diesem Buch kein einziger neuartiger oder kluger Gedanke entgegen. Vielmehr ist das lauwarmer Abklatsch über das, was wir alle längst wissen: dass wir Menschen uns selbst am besten krank machen können. Tablettensucht, Bulimie, Burn-out – ich hätte mir einen schärferen, tiefer gehenden Blick auf diese Krankheiten gewünscht, nicht einen Roman, das klingt wie das Tagebuch einer naiven Fünfzehnjährigen.

Wer soll’s lesen?

Alle, die nichts dagegen haben, wenn es zwischendurch mal sehr seicht und klischeehaft ist.

Ein Gedanke zu “Eva Lohmann: Acht Wochen verrückt

  1. Fee schreibt:

    Hey hey, Habe das Buch auch gelesen, da ich aktuell meine Masterarbeit zum Thema Psychosomatik schreibe. Ich persönlich fand das Buch sehr gut, da Milena einem typischen Patienten entspricht, wie ich ihn jeden Tag in der psychosomatischen Rehabilitationsklinik in der ich arbeite treffe. Ihre Gedanken zur Erkrankung, zu Mitpatienten, zur Klinik etc. entsprechen genau den Beschreibungen meiner Patienten und auch meiner Wahrnehmung, weshalb ich mir vorstellen kann, dass ebenfalls Betroffene sehr viele Informationen und Erfahrungen aus dem Buch schöpfen können. Einem Menschen, der sich nicht dazu entschließen kann den Schritt einer Reha in einer psychosomatische Klinik zu wagen hilft es mit Sicherheit genau hierfür Mut zu fassen. Im Übrigen möchte ich ganz deutlich machen, dass eine psychosomatische Klinik NICHTS, aber auch GAR NICHTS mit der „klapse“ oder besser Psychiatrie zu tun hat (nicht mehr als dein Hausarzt auch). Ich denke, dass du vieles aus diesem Buch als Klischee empfindest rührt daher, dass psychosomatische Erkrankungen, Depressionen, Angst Störungen etc. keinem von uns wirklich fremd sind. die Grundlegenden Gefühle kennt jeder Mensch, der Schritt zur ernsthaften Erkrankung ist oft nicht groß, so wie dies auch bei Milena der Fall ist. Ein Buch für alle Betroffene, Angehörigen und Interessierten.

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